Andacht des Monats

Kreuz und Quer

Das Jahr 2021 hat still begonnen. Im Übergang vom alten zum neuen Jahr habe ich viele persönliche Briefe erhalten. Viele erzählen von ihren Erfahrungen mit der Pandemie im letzten Jahr. Manche blicken voller Hoffnung aufs neue Jahr. „Viele sagen: ‚Wer wird uns Gutes sehen lassen?‘ Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes.“ (Psalm 4,7) Im Nicolaistift haben wir die gute Tradition Kerzen für die Verstorbenen anzuzünden. Bei jeder Andacht fällt das Licht der Kerze auf das Bild der Verstorbenen.  

Im November/Dezember mussten wir von sieben Menschen Abschied nehmen, die an und durch Corona verstorben sind. Das Virus hatte den Schwerst-Pflegebereich im Nicolaistift schwer getroffen. Von den 19 Bewohner*innen waren 18 Menschen mit Corvid-19 infiziert. Für unsere Pflegekräfte war es eine pflegerische Herausforderung und vor allem eine seelische Belastung. Trauer und Sorge gelten den Angehörigen. Manche konnten keinen Abschied nehmen.

Nicht jeder ist für das neue Jahr bereit. Mancher steckt noch in den alten Sorgen. „Wer wird uns Gutes sehen lassen?‘ Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes“ - die Bitte des Psalm 4 öffnet uns für Trost und Hoffnung. Die Fürbitte der Liebfrauenkirchengemeinde und die Anteilnahme vieler Menschen in Neustadt trägt durch diese Zeit. In christlicher Tradition sind Kreuze Zeichen für Tod und Leben. Sie erinnern an das Sterben Jesu und daran, dass nach dem Tod Hoffnung auf neues Leben steht.

Das war nicht immer so. Das Kreuz war zurzeit Jesu noch kein religiöses Symbol, sondern ein Tötungsinstrument. Am Kreuz zeigte sich politische Macht und Herrschaft. Erst mit Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert wurde das Kreuz zugleich Christuszeichen und religiöser Ausdruck des Sieges über die Macht des Bösen. 

Das Kreuz mit seinem vertikalen Balken gilt als Verbindung zwischen Himmel und Erde – Gott und Mensch und in der horizontalen Linie als Verbindung zwischen Mensch und Mensch. Erst die Auferstehung ermöglicht ein Verständnis des Kreuzes nicht als Scheitern, sondern als Zeichen der Liebe Gottes. 

Gott ist mittendrin – ist bei den Menschen- ist mit Christus. Ich wünsche Ihnen einen hoffnungsvollen Start in diesen ersten Wochen des neuen Jahres und lassen Sie uns zu denen gehören, die sagen:  ‚Wer wird uns Gutes sehen lassen?‘ Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes.“ (Psalm 4,7) 

 

Pastorin Dagmar Brusermann