Andacht des Monats

Bild zur Ernte

Ernte-Dank

Es ist immer wieder ein Wunder vor unseren Augen. Wir legen einen kleines Samenkorn in die Erde, geben ihm Wasser und Wärme, dazu etwas Zeit. Und schon beginnt es zu keimen und nach und nach wächst eine ganz neue Pflanze. In dem kleinen Samenkorn ist das neue Leben angelegt. Eigentlich müssten wir immer wieder darüber staunen – aber wie selbstverständlich nehmen wir es hin, wenn wir jetzt im Sommer die Felder sehen, wie der Wind die Halme hin und her bewegt. Hier wächst die Grundlage für unser Leben, es wächst unser Brot und der Samen für das nächste Jahr. 

Für die meisten von uns kommen die Lebensmittel wie selbstverständlich aus dem Supermarkt, die Milch aus dem Kühlregal, das Brot von der Theke oder schon fertig verpackt. Die Arbeit des Landwirts und des Bäckers ist dann gerade noch zu ahnen. Wir gehen einkaufen und eben selbstverständlich davon aus, dass dann etwas zu Kaufen da ist.

Doch für viele Menschen ist es keineswegs selbstverständlich, dass immer genug zu essen da ist, wenn nicht gesät werden kann oder es für eine Ernte viel zu trocken ist. Dann droht den Menschen der Hunger. Aktuell steigen die Preise für Nahrungsmittel soweit, dass viele Menschen es sich in den ärmeren Ländern nicht mehr leisten können. Oder dass gar nichts zur Verfügung steht, weil die Lieferungen aus der Ukraine und Russland ausbleiben. Die Grundnahrungsmittel sind zu einer politischen Waffe geworden, die rücksichtslos eingesetzt wird. Dass Menschen in unserem Land hungern mussten liegt glücklicherweise schon fast 80 Jahre zurück. Aber die Erinnerungen an die Winter nach dem Krieg kommen jetzt wieder hoch. 

Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir verantwortungsvoll mit den Lebensmitteln umgehen und sehen, wo wir zusammen mit der Politik helfen können. Das wird dann auch nicht ohne Verzicht gehen.

Nach der einen großen Katastrophe der Menschheit, von der die Bibel am Anfang erzählt, gibt Gott den Menschen ein Versprechen: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“  (1. Mose 8, 22). Das mag uns trösten, wenn wir jetzt mit Ungewissheit in die Zukunft schauen. Das Wunder des Lebens bleibt, es geschieht immer wieder vor unseren Augen. Wenn wir auf die Ernte schauen, lasst uns die nicht vergessen, die nicht ernten können und sich sorgen, wie die Familie satt werden soll. Nicht nur zum Erntedank. 

Mit guten Wünschen grüßt Ihr

Pastor Dr. Christoph Bruns

Pastor Dr. Christoph Bruns
Tel.: 05032 964419