Andacht des Monats

Jesus mit allen Sinnen erleben

„Gott ist tot!“ – So hat es der Philosoph Friedrich Nietzsche vor mehr als 100 Jahren formu-liert. »Gott ist tot!« Das trifft auch die Stimmung der beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus.  Alle ihre Hoffnungen, all das, wofür sie alles aufgegeben haben – ist weg. Sie waren so voll davon, dass sie sich darüber auf dem Weg unterhalten. Über die Ereignisse der letzten Tage…. 

Während sie miteinander sprechen, gesellt sich Jesus zu ihnen, aber sie erkennen ihn nicht. Behutsam spricht er mit ihnen. Aber sie erkennen ihn noch immer nicht…. Erst, als er bei ihnen einkehrt und das Brot bricht ….  Das öffnet ihnen die Augen und sie werden von Freude ergriffen. 

Und ich stelle mir vor, wie sie alles stehen und liegen ließen. Jeder rannte los um den anderen Traurigen diese frohe Botschaft zu bringen, ja herauszurufen: „Ich habe ihn gesehen!“ – „Wen?“ – „Jesus!“ – „Unsinn.“ – „Ganz sicher! Im ersten Moment habe ich ihn nicht erkannt, aber plötzlich habe ich gespürt, dass er es war. Er hat mit mir gesprochen. Er war wirklich da. Er ist auferstanden.“    

Jesus lebt! Er ist nicht tot! Seine Jünger haben das in der Vorstellungswelt ihrer Zeit so aus-gedrückt: Er ist auferstanden! Gott hat ihn von den Toten auferweckt! 

Jesus lebt! Die Jünger haben es erlebt. Im Glauben können auch wir vielleicht seine Gegenwart spüren. Auf jeden Fall: Er ist da, wenn wir uns in seinem Namen treffen, wenn wir seine Worte hören und Brot und Wein miteinander teilen. Versprochen!

Jesus lebt! Er spricht uns an in den Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Er ist bei uns mit den Menschen, die uns auf unserem Lebensweg begleiten und uns ihre Nähe und Zuwen-dung schenken. Jesus lebt! Er redet zu uns in allen, die von ihm erzählen, die sich von ihm begeistern lassen und in seinem Sinn handeln.

Jesus lebt: Auch, wenn Ostern dieses Jahr von Krieg und noch immer von Corona bedroht ist, die Botschaft bleibt. Und vielleicht erreicht sie uns in diesem Jahr auch ganz besonders, weil eben alles anders ist. In anderer Gemeinschaft, mit vielen Flüchtlingen, vielleicht auch so wie damals. Die Emmaus Jünger waren zu zweit. Und dann gesellte sich Jesus dazu. Sicher nicht mit Maske und auch nicht in einem Anderthalbmeterabstand, sondern mit ihnen auf dem Weg….

Uschi Seidel