Angedacht

Pastor Bernhard Julius

Miteinander reden

Seid schnell bereit, zuzuhören, aber lasst euch Zeit,
ehe ihr redet oder zornig werdet. Jakobus 1,19

Liebe Gemeindemitglieder
Wir leben in einer Zeit, in der viel geredet wird – aber oft wenig miteinander. Meinungen prallen aufeinander. Menschen ziehen sich zurück in Gruppen, in denen alle ähnlich denken. Oft bewegen wir uns nur in einer Blase. Viele von uns fühlen sich nicht mehr gesehen. Andere werden nicht gesehen, oder bewusst übersehen, geschweige denn wird mit ihnen geredet: die Einsamen, die Fremden, die Stillen, die Alten oder diejenigen, die nicht „dazugehören“, oder, so wie manche denken, nicht dazu gehören sollen. Gerade deshalb ist das `Reden miteinander´ eine Aufgabe. Es ist die Grundlage für unser friedliches Zusammenleben.

Jesus selbst hat das vorgelebt. Er sprach mit Menschen, die andere mieden: mit Kranken, Fremden, Sündern und Ausgegrenzten. Es sprach auch mit den Samaritanern, Fremde, die ausgeschlossen waren. Wir alle kennen die Erzählung vom Barmherzigen Samariter, der den Verletzten sah, der von den Räubern überfallen war, mit ihm sprach und ihm half. Da beginnt etwas Neues, wenn Menschen einander sehen, ihnen helfen und miteinander reden.

Vielleicht beginnt Frieden oft genau dort: Wo einer diesen ersten Schritt macht, wo jemand zuerst zuhört, statt sofort zu urteilen und wo wir andere nicht nur als „die da“ bewerten, sondern als gleichwertige Geschöpfe Gottes anerkennen. Die Härte zwischen Menschen in der heutigen Zeit zeigt, was geschehen kann, wenn wir nicht mehr `miteinander reden´, sondern nur noch übereinander, wenn Vorurteile wachsen, Gruppen ausgegrenzt, Menschen stigmatisiert und entwürdigt werden. Denn die Gewalt beginnt mit Worten – und oft genug auch mit Schweigen, weil wir nicht mehr `miteinander reden´.  Darum ist es wichtig `miteinander zu reden´ und einander genau zuzuhören. 
`Miteinander reden´ heißt also nicht, immer derselben Meinung zu sein, sondern den anderen ernst zu nehmen und nicht gleich abzulehnen. `Miteinander reden´ heißt den Menschen hinter der eigenen Meinung zu sehen, ihn wahrzunehmen, so wie er ist, und ihn auch gelten zu lassen. 

Vielleicht können wir uns fragen: Wen übersehe ich in meinem Alltag?
Mit wem sollte ich wieder ehrlich reden? Wo kann ich zuhören, statt vorschnell zu urteilen? Wie kann ich helfen, dass Verständnis zwischen uns wächst? Denn Gott hat uns nicht geschaffen, damit wir gegeneinander leben, sondern miteinander. Gott öffnet unsere Augen für die Menschen neben uns und schenkt uns den Mut 
`MITEINANDER ZU REDEN!‘´ Amen.
Ihnen ein gutes Miteinander, gute Gespräche und Gottes Segen. 
Ihr Pastor Bernhard Julius