Andacht des Monats

Auf die Hoffnung

Schön soll sie gewesen, Pandora, die Frau aus Lehm. In der griechischen Mytho- logie erscheint sie als Teil der Strafe für die Menschheit, die das Feuer aus dem Olymp auf die Erde geholt hatte. Göttervater Zeus übergibt Pandora eine Büchse, die sie den Menschen mit der Warnung schenken soll, diese Büchse niemals zu öffnen. Doch Pandora erliegt ihrer eigenen Neugier: Sie öffnet die Büchse, und was geschieht? Alle Übel (wie Krieg, Krankheit und Laster) entweichen ihr und überziehen die Welt mit ihrem Unheil. Erschrocken verschließt Pandora die Dose – nur eine Sache ist in ihr zurückgeblieben: Die Hoffnung. Seitdem war die Welt ein trostloser Ort voller Schrecken und Not und ohne jede Hoffnung.

Mit dieser deprimierenden Aussicht beendete der griechische Dichter Hesiod um 700 v. Chr. seine Geschichte im Lehrgedicht „Werke und Tage“. Nun allerdings wissen wir ja, dass die Hoffnung irgendwie doch den Weg in die Welt gefunden hat. Friedrich Nietzsche, bekannt übellaunig, hielt die Hoffnung ohnehin für den größten Fluch der Menschheit. Er schrieb: „Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoff- nung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.“ Nun, wir Christen machen andere Erfahrungen! Hoffnung ist einer der Namen Gottes (Röm 15,13), und Hoffnung ist neben Glaube und Liebe eine der drei bleibenden Energien (1. Kor 13,13) im Universums. Hoffnung ist die Kraft, die uns aus dem Vertrauen auf Gott erwächst: „Ich setze meine ganze Hoffnung auf den HERRN!“ (Ps 130,5). Gott hat uns unser Leben auf dieser Welt geschenkt, da- mit es gelingt. Natürlich gibt es Übel, die dasLeben schwermachen: Krankheiten, Krieg und Terror, Hunger und Wassermangel, Um- weltverschmutzung, menschliche Gemeinheit. Wie aber sollten wir gegen all das ankommen, wenn wir keine Hoffnung hätten? Hoffnung ist das Vertrauen, dass es besser werden kann! Hoffnung ist die Kraft zum Wandel! Dabei gilt es, klug zu sein: Ändern kann ich immer nur mich selbst, mein eigenes Denken und Handeln. Die Hoffnung, dass andere sich ändern, ist oft verschwendete Energie. Das liegt bei ihnen. Und dass die Umstände sich ändern, können wir meist auch nur erbitten. Aber ganz gewiss können wir darauf bauen, dass Gottes Geist am Wirken ist, in uns, in anderen und in der Welt – und dass er zum Schluss für das große Happy End sorgen wird! In diesem Sinne: Auf die Hoffnung!

Pastorin Anna Wißmann
Tel.: 05032 - 893150