Ein Überraschungsbesuch ist schon etwas Schönes - gerade, wenn es eine Person ist, die einem wichtig ist und die man vielleicht schon längere Zeit nicht mehr gesehen hat.
Aber wenn ich ehrlich bin, ist es mir doch lieber, wenn Besuch sich vorher anmeldet. Dann kann ich mich darauf einstellen, mich vorbereiten. Denn schließlich soll die Wohnung aufgeräumt sein. Und etwas zu Trinken und wenigstens einen kleinen Snack möchte ich auch anbieten können.
So, wie vor ein paar Wochen, als eine Freundin aus meiner alten Kirchengemeinde in der Lüneburger Heide anrief, ob sie auf dem Weg in den Urlaub einmal bei mir vorbeischauen dürfe - nächste Woche.
Ich habe mich sehr darüber gefreut und hatte genügend Zeit, um mich vorzubereiten. Und wenn ich - ob als Pastor oder privat - jemanden besuchen möchte, melde ich mich möglichst vorher an.
Vielleicht störe ich ja.
Gut, bei Geburtstagsbesuchen in der Gemeinde, komme ich meist spontan bei den Jubilaren vorbei, aber an seinem Geburtstag rechnet man schon eher mit unangekündigten Besuchen.
Jesus hat sie gerne gemacht, diese Spontanbesuche. Einmal war er in Jericho. Viele Menschen kamen zusammen, um ihn zu sehen und zu hören. Einer von ihnen war der Zöllner Zachäus.Er kletterte auf einen Baum, um Jesus besser sehen und hören zu können. Und dann wurde er von Jesus angesprochen: Zachäus, steig schnell herab. Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein. Damit hatte Zachäus sicher nicht gerechnet. Doch für ihn war es ein Besuch, der sein Leben grundlegend veränderte. Im Neuen Testament, in Hebräer 13,2, heißt es: Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Denn auf diese Weise haben manche, ohne es zu wissen, Engel als Gäste aufgenommen.
Ich glaube, damit ist mehr gemeint als ein nettes Plauderstündchen. Einander wahrnehmen, einander ernstnehmen. Zuhören. Einfach füreinander Zeit haben.Manche Menschen sind für mich bei einem Besuch zu einem Engel geworden … sie waren zur richtigen Zeit bei mir.
Und ob ich als Gast für andere ein Engel war, weiß ich nicht - ich hoffe es aber. Vergesst die Gastfreundschaft nicht … ja, das wäre doch wirklich schade, wenn wir die vergessen würden!
Ich wünsche Ihnen und Euch ein gesegnetes, neues Jahr und viele gute, wohltuende Erfahrungen als Gast bzw. als Gastgeber*in!
Pastor Marcus Krause