Andacht des Monats

Gott hält keinen Abstand

Die schönste Zeit im Jahr? Von wegen! Kein Lebendiger Advent in den Vorgärten und Garagen, keine Adventsfeiern mit Gruppen und Kreisen, keine Besuche bei Familie und Freunden. Und wie soll es erst Weihnachten werden? Corona verlangt Abstand zwischen denen, die sich nahe sein wollen. Wann haben wir jemals so eine mistige Zeit erlebt? Obwohl: Abstandsregeln gab es immer schon, auch zur Zeit der Weihnachtsgeschichte. Fromme hielten Abstand zu Sündern, Reiche zu Armen, Gottes Volk zu den Heiden. Und Gott selbst schien auch weit entfernt, irgendwo im Himmel … Doch dann kommt Weihnachten! Gott überwindet alle Abstände, kommt in seine eigene Welt, zu seinen Menschen, die so einsam, so verloren, so orientierungslos ihr Leben leben. Lange hatten die alten Propheten dieses Wunder vorhergesagt, so alt waren diese Worte, dass nicht mehr viele daran glaubten. Doch Gott hält sein Wort. Und er wählt den schönsten, den menschlichsten Zugang zur Welt: Er wird als Kind geboren. Schutzlos und hilfebedürftig. Angewiesen auf die Freundlichkeit und Fürsorge von Menschen. Gott macht sich klein und sammelt Menschen als Helfer um die Krippe: Maria und Josef, die dieses Kind schützen und großziehen werden. Die „heidnischen“ Weisen aus dem Morgenland, die kostbare Geschenke mitbringen und den kleinen Jungen nicht an König Herodes verraten und ihm damit das Leben retten. Die Hirten, damals Außenseiter der Gesellschaft, die es als erste sehen und die Botschaft weitersagen: Gott hat sein Versprechen wahrgemacht, er hat den Retter auf die Erde geschickt. Allesamt sind sie eingeladen, allesamt versammeln sie sich um die Krippe. 

Bilder, Geschichten und Lieder haben diese tiefe Wahrheit aufgenommen und in immer neuen Varianten dargestellt: Heiligabend sind alle dabei, Klein und Groß, Arm und Reich, Fromme und Sünder, Gläubige und Nichtgläubige. Ihnen allen gilt dieselbe Botschaft: Gott kommt als Mensch in diese Welt. Und Er wird uns zeigen, was Menschsein bedeutet: als Baby, als Kind, als Erwachsener. Geliebt zu werden und selber zu lieben. Not zu sehen und zu lindern. Auf Gott zu vertrauen und mit Ihm zu leben, zu leiden und zu sterben – um zu einem ewigen Leben in Seinem Licht zu erwachen. 

Nein, Gott hält keinen Abstand zu uns. Auch nicht in diesem Jahr. Und es wird etwas Besonderes sein, wenn wir in diesem Jahr alle zusammen auf dem Marktplatz unserer Stadt die Geburt Seines Sohnes feiern, mit Abstand zwar, aber ohne Trennung zwischen den Konfessionen und Traditionen, allesamt eingeladen und willkommen, als Gottes gesegnete Kinder.

Pastorin Anna Wißmann
Tel.: 05032 - 893150