Abschied von Michael Hagen

Nachricht 12. Oktober 2022

Michael Hagen sagt Tschüß

„Es waren erfüllte und bewegte Zeiten während der vergangenen 21 Jahre. Vielen Kirchenvorständen, Ehrenamtlichen und Gemeindegliedern bin ich in den Visitationen und anderen Gelegenheiten in den 27 Kirchen-gemeinden begegnet. Immer wieder hat mich tief beeindruckt, wie manche von Ihnen als Ehrenamtliche über Jahre und Jahrzehnte hinweg eine Gruppe leiten oder in einem Kreis wie dem Besuchsdienst mitarbeiten. Für diese Treue und Ihren Einsatz können wir als Kirche gar nicht dankbar genug sein. Die Menschen, die sich so für unsere Kirche engagieren, denen Glaube und Kirche wichtig sind, sind ein großer Schatz. 

Das kirchliche Leben und auch seine Verwaltung hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert. Gleichzeitig nimmt die Kirchenmitgliedschaft stetig ab und damit auch die Finanzkraft. Eine noch engere Kooperation mit den Nachbarkirchenkreisen ist sicher sinnvoll. Aber auch die Regionalisierung von Kirchengemeinden ist eine große Chance, um über den eigenen Kirchturm hinweg zu denken und gemeinsam als Hauptamtliche im Team auch gabenorientiert zu arbeiten.

Ein großer Schritt war die Gründung einer gemeinsamen Trägerschaft, unter deren Dach nun zehn Kindertagesstätten sind. Hier ist in der frühkindlichen Bildungsarbeit etwas sehr Wertvolles gewachsen, um etwa während der Hochphase der Coronapandemie die besonderen Herausforderungen in den Kitas zu bewältigen. Weitere Meilensteine im Bereich Bildung waren das Projekt „Bildungslandschaften“ und die Gründung der Ev. IGS Wunstorf: Mit der IGS haben wir in Norddeutschland die einzige kirchliche integrative Gesamtschule.

Für viele Menschen ist gerade die Diakonie der Grund, warum ihnen Kirche überhaupt noch wichtig ist. Dies sollten wir bei der Diskussion berücksichtigen, inwiefern wir in der Diakonie oder auch Notfallseelsorge nicht danach fragen sollten, ob die Menschen in der Kirche sind. Zu nennen sind hier beispielhaft die Diakoniestation, der ambulante Palliativ und - Hospizdienst Dasein, der Kleiderladen in Wunstorf, die Begegnungsstätte am Silbernkamp in Neustadt sowie die blau-gelben Treffpunkte im Kirchenkreis für Geflüchtete aus der Ukraine.

Die Coronapandemie hat die Schwachpunkte und Probleme bei Kirche deutlich gemacht und verschärft. Die Zahl der Gottesdienstbesucher*innen brach ein, das Leben in den Gemeindehäusern ist noch nicht wieder richtig zurückkehrt. Ich wünsche mir da mehr Ehrlichkeit, damit wir die Probleme, die es gibt, wirklich offensiv angehen und nicht beschönigen. Der jetzt begonnene Zukunftsprozess der Landeskirche kommt zum richtigen Zeitpunkt. Wichtig ist als Kirche bei den Menschen zu sein, zu sehen, dass das Evangelium unter die Leute kommt, und nicht die Leute unter unsere Kanzeln!

Die zurückliegenden 20 Jahre sind die längste Zeit, die ich je an einem Ort gelebt und gearbeitet habe. Und es war und ist eine sehr wichtige Zeit in meinem Leben. 

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Abschiedsgottesdienst

Superintendent Michael Hagen wird am 3. September 2022 um 15 Uhr in einem feierlichen Gottesdienst in der Liebfrauenkirche verabschiedet.