Die Feste feiern, wie sie fallen..

Das wäre doch schön: die Feste zu feiern, wie sie fallen. In Corona-Zeiten hat man es richtig verlernt, finde ich. Die schönen Momente festzuhalten, den Augenblick zu genießen.

Der Publizist und Moderator Roger Willemsen hat es zu Lebzeiten so formuliert: „Die Feier des Augenblicks ist der Versuch, der Erde verhaftet zu bleiben.“ Den Moment genießen, wenn er schön ist. Nicht abgelenkt sein in diesem Moment, indem ich gleichzeitig noch drei andere Dinge tue. Ganz Gegenwart sein, den Moment in sich aufsaugen und dabei spüren: Ich lebe, bin Geschöpf dieser Erde, ich empfange.

Das wollen wir in diesem Herbst wagen, wenngleich zu Redaktionsschluss die Corona-Infektionszahlen schon wieder steigen. Wir wollen den Augenblick feiern: mit dem Start der Spendenaktion für unsere Bordenauer Orgel am 12. September, dem Tag des Denkmals. Hinhören auf die Klänge unserer Orgel, genießen und merken: oja, sie hat die Sanierung nötig. Wir wollen Konfirmation feiern, den Augenblick genießen, wenn junge Menschen ja sagen zu unserem Glauben und vielleicht auch wehmütig feststellen, wie schnell sie so groß geworden sind. Wir wollen am Dorfteich in Bordenau gemeinsam Gottesdienst feiern, spüren, dass die Gemeinschaft im Dorf da ist, auch wenn sie im Moment nicht so gelebt werden kann. Wir wollen an Volkstrauertag in Poggenhagen ökumenisch zusammenkommen und den Augenblick herbeisehnen, an dem Waffen in der Welt endlich schweigen werden.

Die Feste feiern, wie sie fallen. Das ist unserm Glauben nicht fremd, das Jahr ist voll von kirchlichen Festen. Und auch Jesus ist die Feier des Augenblickes nicht fern. In den Geschichten, die wir von ihm haben, ist er so präsent und zugewandt im Augenblick, dass er die Nöte und Sorgen der Menschen erkennt. Er heilt, macht satt und gibt Hoffnung. Aber auch die fröhlichen Feste nehmen Jesus in ihre Mitte. 

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da.  Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.  Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr (…)  Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße.  Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.  (…)  Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. (…)  Und seine Jünger glaubten an ihn

Den Augenblick genießen, ob er leicht oder fällt schwer fällt. Dazu lade ich ein. Ganz im Moment zu sein. Vor allem, wenn wir zum Ende des Kirchenjahres wieder erinnern an viele Momente mit Menschen, die nicht mehr unter uns sind. Mit der Hoffnung, dass unser Gott sie in seinen Blick genommen hat, wollen auch wir dieses kirchliche Fest gemeinsam feiern.

Ihre Alida Weinert